Montags im Archiv – Erkenntnisse aus dem Azubi-Leben

Wie ich bereits in meinem anderen Beitrag erwähnt habe, bin ich auch im Archiv der Stadt Lauenburg und unterstütze dort unsere Archivarin Frau Mührenberg bei ihrer Arbeit. Das Archiv in Lauenburg hat montags die Türen offen, während die Stadt- und Schulbücherei an diesem Wochentag geschlossen ist. Für mich als FAMI-Azubi ein Glücksfall, denn als ausgebildete FAMI kann man nicht nur in einer Bücherei tätig sein, sondern auch in einem Archiv!

Aber was tut man eigentlich im Archiv?
Ständig kommen Anfragen, zum Beispiel von Ahnenforschern, die nach Personen suchen. Man bekommt einen Namen, mit Glück auch ein paar Jahreszahlen und durchsucht dann sämtliche Personenstandsbücher, die in und um diesen Zeitraum liegen. Oder auch ganze Zeitungsbände usw. Wie man sich vorstellen kann ist man stets beschäftigt…

Der Weg der Archivalien INS Archiv ist allerdings auch aufwendig.
Es stellen sich Fragen wie:
„Was ist der Inhalt?“
„Ist dieses Buch überhaupt „wert“ archiviert zu werden?“
„Was muss getan werden, um es FÜR IMMER aufzubewahren?“

Allein bei der ersten Frage… Wer kann das heute noch lesen?

Sütterlin_Schrift_Archiv_Lauenburg

Alte deutsche Schrift und Sütterlin beherrscht heute kaum noch jemand.
Aber zum Glück gibt es auch kleine Helfer, die für Ungelernte sehr von Nutzen sind (sofern die Handschrift ordentlich geschrieben ist!).

Sütterlin_Schrift_Vorlage_Archiv_Lauenburg

Zur Aufbewahrung: In einem Archiv kommen nur Archivalien hinzu. Es wird nichts, das einmal im Endarchiv ist, weggeworfen – es soll alles für die Ewigkeit aufbewahrt werden.
Nachdem der Inhalt erfasst ist, wird jedes Buch, jedes Blatt und jedes Bild einzeln verpackt. Und zwar in spezielle, säurefreie Umschläge. Denn die Säure, die sich in normalem Papier befindet, zerfrisst es auf Dauer. Auch Metall und diverse Klarsichthüllen müssen entfernt werden, weil beides ebenfalls das Papier angreift und zerstört.

Gegebenenfalls muss auch ein Restaurator ans Werk. Denn schwerwiegende Schäden (z.B. Schimmel oder Holzwurmbefall) sollten vom Fachmann behoben werden.

Holzschaden_Archiv_Lauenburg

Hier ein Beispiel, das wir leider oft in unseren Kinderbüchern in der Bücherei finden: mit Klebestreifen geklebte Seiten. Nach einiger Zeit lösen sich allerdings die Klebstoffe von der Folie und hinterlassen braune Rückstände, die ebenfalls das Papier angreifen.
(Nicht ohne Grund bitten wir unsere Leser, beschädigte Seiten zu melden, damit sie mit speziellem Reparaturband von uns wieder geklebt werden können.)
Danach bekommt jede Archivalie noch eine Archivsignatur, um sie einem Standort zuordnen zu können.
Zum Schluss werden die verpackten Archivalien in Archivbehälter gelegt, um sie besser lagern zu können.

Und warum macht man sich den ganzen „Stress’’?
Schätze, wie zum Beispiel dieses mit Pergament bezogene Buch, müssen bestmöglich erhalten bleiben.
Denn Archivalien sollen zeitlich unbegrenzt aufbewahrt und vor allem für die Nachwelt nutzbar gemacht werden.

Archive sind also so gesehen das Gedächtnis der menschlichen Existenz.

Archiv_Lauenburg

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